Holocaust Gedenktag 2010

27 Januar 19.30- 21.00 Uhr, Wolkenstein Saal, Kulturzentrum am
Münster, Konstanz
Eintritt frei

Helge Domp und Christa Gießler

Die Lebensgeschichte der Helge Domp“
Onderduiker

 

In diesem Buch geht es um eine Lebensgeschichte, die 1915 in Münster einsetzt - und 1933 einen jähen Bruch erfährt: Helge Domp, die jüngste Tochter eines bekannten jüdischen Musikalienhändlers aus Münster, die gerade ihr erstes Jahr Gesangsstudium hinter sich hat,
wird wegen ihrer jüdischen Herkunft nicht fürs zweite Jahr am Konservatorium zugelassen. Schon wenige Wochen später verlässt sie Nazi-Deutschland, geht entschlossen nach Amsterdam, wo sie sich in verschiedenen Stationen als Haushaltshilfe und Kindermädchen durchschlägt, bis sie schließlich mit ihrem Bruder Jochen zusammen in Enschede ein Geschäft eröffnet. Noch immer träumt sie davon, eines Tages Sängerin zu werden. 1942 jedoch müssen auch sie, ihre Eltern und ihre Schwester untertauchen – wie so viele Juden. Beinahe drei Jahre zu viert auf engstem Raum - aber sie überleben! Jochen jedoch kommt in Auschwitz um.

Einige Jahre nach Kriegsende macht sich Helge erneut auf den Weg - nicht als Sängerin, der Traum ist ausgeträumt, sondern als Geschäftsfrau im Piano-Großhandel. Sie holt die Yamaha-Marke nach Europa und baut ein bedeutendes Unternehmen auf, das sie bis zu ihrem 70. Lebensjahr führt. Danach Ruhestand? Von wegen! Sie hat eine Stiftung gegründet,
reist in der Welt herum, hat sich ihre Unternehmungs- und Entdeckungslust ebenso bewahrt wie ihre scharfe Haltung denen gegenüber, die da meinen, man sollte es mit dem Juden-Thema nun endlich gut sein lassen.
Das Faszinierende an dieser nun 94-jährigen Frau, die so unsagbar Bitteres erlebt hat, ist ihr Humor und die ungebrochene Neugier, mit denen sie sich nach wie vor auf Menschen und neue Erfahrungen zu bewegt.

… Sängerin werden! Auf dem Podium stehen! Ein Traum? Für Helge Domp, die 1915 in Münster zur Welt gekommen ist, war es schon mit fünf, sechs Jahren kein Traum mehr, sondern feste Absicht, der nichts im Wege zu stehen schien: Sie hatte eine wunderbare Stimme, wuchs in
einem musikalischen Elternhaus auf, sang schon als Halbwüchsige Soli und absolvierte 1932 erfolgreich das erste Jahr am Konservatorium. Dann aber kamen die Nazis an die Macht … Als Leser begleitet man die heute 92-Jährige auf ihrem Weg: holländisches Exil, drei Jahre dauerndes Versteck. Nach dem Krieg dann Neuanfang in Enschede, wenige Jahre später schon erfolgreiche Unternehmerin, Mittelpunkt einer großen Familie, eines weit verzweigten Freundeskreises.

Ein reiches Leben, trotz allem! Und doch immer die Frage, wie jenes andere ausgesehen hätte, das einst, neben dem Klavier, im Wohnzimmer der Eltern, mit ganz anderen Koordinaten begonnen hatte …