Jüdische Gemeinde Konstanz: Referate zu jüdischen Themen

Die Veranstaltungsreihe "Schiurim und Schirim - Lieder und Aktuelles aus dem Judentum", die im vergangenen Monat auf lebhaftes Interesse gestoßen ist, wird im Juli in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Konstanz an der Oberen Laube 48 mit Referaten zu jüdischen Themen fortgeführt. Die Vorträge beginnen jeweils freitags um 18.00 Uhr und sind in erster Linie als Einstimmung auf den jüdischen Gottesdienst gedacht, der um 19 Uhr beginnt, Zu den Referaten, die von Vorbeter Fabian Samuel gehalten werden, sind Gemeindemitglieder sowie interessierte Gäste herzlich eingeladen.


Am 9. Juli wird die "Geschichte der Juden in der Schweiz" vorgestellt. Nach den Vertreibungen im Mittelalter war den Juden im Gebiet der Eidgenossenschaft das Wohnrecht bis tief ins 19. Jahrhundert untersagt. Einzige Ausnahme bildeten ab dem 17. Jahrhundert die zwei benachbarten Dörfer Endingen und Lengnau im Aargau, wo Juden als "fremde Schutzgenossen" leben durften. Die Errichtung des schweizerischen Bundesstaates 1848 brachte zwar für die meisten Bewohner die bürgerlichen Freiheiten, doch erst 1866 wurden diese auch den Schweizer Juden gewährt. Im Zuge der Industrialisierung begannen sich die Juden in der Schweiz mehr und mehr in den Städten niederzulassen.


Der Vortrag am 23. Juli behandelt die "Geschichte der Kibbuzbewegung". 1909 gründeten ein Dutzend Pioniere am Südende des Sees Genezareth unter schwierigsten Bedingungen den ersten Kibbuz, Degania. Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich die Kibbuzbewegung. Sie war zunächst säkular geprägt und orientierte sich an sozialistischen sowie zionistischen Idealen zur Neuerrichtung eines jüdischen Staates. Ab 1946 wurden auch religiös orientierte Kibbuzim gegründet. Nach der Staatsgründung 1948 bildete die Integration von Einwanderern aus arabischen Ländern eine große Herausforderung für die europäisch geprägte Kibbuzbewegung. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des Kommunismus seit den 1990er Jahren sahen sich viele Kibbuzim grundlegenden Neuerungen ausgesetzt.


Am 30. Juni kommt mit "Maimonides" der bedeutendste jüdische Gelehrte des Mittelalters zur Sprache. Geboren im spanischen Córdoba, wählte er mit seiner Familie nach der Machtergreifung der fanatischen Almohaden den Weg ins Exil. Maimonides wurde schließlich Arzt des ägyptischen Sultans. Sein literarisches Werk ist sowohl für das Judentum selbst als auch für den interreligiösen Dialog von größter Bedeutung. Seine 14-bändige Abhandlung "Mischneh Torah" (Die Wiederholung der Thora) fasst bis heute auf gültige Weise das jüdische Recht zusammen. Am bekanntesten wurde jedoch sein philosophisches Hauptwerk "Führer der Unschlüssigen", in dem er eine Versöhnung der aristotelischen Philosophie mit den Grundsätzen des Glaubens anstrebt.